Kaffeesatz – viel zu schade für den Abfalleimer
Viele von uns brühen sich ihren Espresso oder Kaffee selbst und nur wenige Leute werden sich Gedanken machen über den körnig braunen Rückstand, der den Filter verklebt. Könnte der Kaffeesatz aber nicht doch für etwas gut sein? Kann man ihn eventuell noch irgendwie verwerten?
Beim türkischen Kaffee werden ihn einige vielleicht zum Teil sogar mittrinken, die meisten von uns werden ihn allerdings ohne lang zu zögern einfach entsorgen. Aber die nach der Kaffeezubereitung verbleibenden Reste der gemahlenen Kaffeebohnen sind eigentlich viel zu schade um nur als Abfall oder am Kompost zu enden, bestehen sie doch aus vielen wertvollen Stoffen, die sich geradezu zur Weiterverwertung anbieten. So kann er beispielsweise als vollwertiger Dünger im Garten eingesetzt werden, eine natürliche Alternative zu den chemischen Düngemitteln, denn Kaffeesatz weist eine recht hohe Konzentration an Stickstoffen und Phosphor auf und enthält außerdem noch Kalium und weitere Mineralstoffe.
Tipp: Es dauert zwar eine Weile bis man eine ansehnliche Menge an Kaffeesatz aus der Espressokanne oder durch den täglichen Gebrauch der Kaffeemaschine zusammen gesammelt hat, aber Kaffeereste können durchaus über mehrere Wochen hinweg aufbewahrt werden in einem kleinen Sammelbehälter, denn selbst wenn der Verrottungsprozess schon eingesetzt hat (erkennt man an der weißlichen Verfärbung), so ist er noch immer bestens als Düngemittel geeignet. Und gibt man vor dem Einsatz etwas Wasser zu dem Kaffeesatz, so hat man auch einen ausgezeichneten Flüssigdünger.
Kaffeereste sind auch ein perfekter Torfersatz. Hobbygärtnern, die Engeltrompeten, Rhododendren oder Azaleen auf ihren Grünflächen haben, kommt die Wirkung der Filterrückstände gleich dreifach zu Gute. Nicht nur dass die Pflanzen gedüngt werden und dass die Feuchtigkeit besser gehalten werden kann, er reguliert zusätzlich noch den Säuregehalt der Erde. Hierfür verteilt man am besten eine dünne Schicht Kaffeesatz gleichmäßig auf der Oberfläche um die Pflanzen herum und arbeitet ihn im Anschluss leicht in die Erde ein.
Zu den weiteren Vorzügen des Kaffeesatzes zählt auch die Schädlingsbekämpfung. Ihm wird nachgesagt, dass er die Schnecken aus dem Gemüsebeet vertreibt, die Wühlmäuse von den Spargelfeldern und außerdem noch präventiv gegen Fruchtfliegen wirkt. Die damit gedüngten Pflanzen werden statistisch gesehen auch weniger von Blattläusen befallen. Im Gegenzug wird aber nützliches Getier angelockt, wie zum Beispiel die Regenwürmer, die die erhöhte Feuchtigkeit der „Kaffeeerde“ zu schätzen wissen. Und angeblich schmecken sie ihnen sogar, die nährstoffreichen Bohnenreste.
Interessant sind die Überbleibsel der Kaffeezubereitung auch für Rosen- und Geranien-Züchter. Die Blüten dieser Pflanzen sollen dadurch eine viel kräftigere bzw. intensivere Färbung annehmen.
Das Einsatzgebiet des Kaffeesatzes beschränkt sich aber lange nicht nur auf die heimischen Gärten. Sehr sinnvoll ist auch die Energiegewinnung aus organischen Abfallprodukten. Die Firma Kraft Foods betreibt zum Beispiel gleich etliche Biomassekraftwerke mit Hilfe von der bei der Herstellung von Instantkaffee anfallenden Reste.
Manche schwören auf ihn beim Haare Waschen oder beim Gesichtspeeling, aber wer sich Kaffeesatz auf den Kopf gegen Haarsausfall legt, der wird – zumindest laut neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen – eher kein Erfolgserlebnis haben.
Beliebt sind die Kaffeerückstände auch bei Hellsehern und Wahrsagern oder einfach als Freizeitvergnügen in einer geselligen Runde. Als “Kaffeedomantie” wird das Kaffeesatz- oder Kaffeesud-Lesen in Fachkreisen bezeichnet. Je nach angewandter Methode wird aus den Überresten in der Tasse oder auf einem flachen Teller die Zukunft vorhergesagt. Hierfür wird das getrocknete Pulver am Teller verteilt oder es wird noch in der Tasse im feuchten Zustand mit dem Finger umgerührt. Ebenso kann man die Tasse nach dem letzten Schluck einfach über den Unterteller stülpen, hebt sie nach einiger Zeit wieder ab und haucht dabei drei Mal hinein. Die geheimnisvollen Strukturen und Muster, die dabei in der Tasse verbleiben, sollen Rückschlüsse auf die Zukunft zulassen. Glauben schenken mochten viele diesem Ritual auch früher schon nicht. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass es auch heute – wenn etwas völlig aus der Luft gegriffen scheint – noch heißt: “Das hast Du doch im Kaffeesatz gelesen!”
Auch wenn vieles sicher nicht “im Kaffeesatz steht”, so ist er dennoch viel zu schade für den Abfalleimer. Und wer einen größeren Garten hat oder lieber schwarzen Tee oder grünen Tee trinkt, muss nicht auf die Verwendung von Kaffeesatz verzichten. Hier hilft oftmals jemand aus dem Freundeskreis oder die nahe gelegenen Gaststätten oder Kaffeehäuser.
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Informationen zum Artikel:
- Geschrieben am Donnerstag, den 6. November 2008
- Kategorie: Kaffee-Allgemein
- Tags: Espresso, Kaffee, Kaffeebohn, Kaffeebohnen, Kaffeesatz, Pulver, Tee
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Am 18. Dezember 2008 um 14:51 Uhr
Oh, danke für die Klasse Information. Ich habe mich schön manches Mal gefragt, wie denn ein Kaffeesatz noch zu verwenden ist:)