Die Geschichte der Melitta Bentz

Die Geschichte der Melitta Bentz (1873-1950) werden nur wenige kennen und doch hat diese findige Hausfrau aus Dresden unseren Alltag revolutioniert. Anfang des 20. Jahrhunderts unternahm sie zahlreiche Versuche um den perfekten Kaffee herzustellen. Einen Kaffee mit möglichst wenigen Bitterstoffen, keinem unangenehmen Nachgeschmack und von dem unschönen Kaffeesatz befreit. Bis zu diesem Zeitpunkt stellte man das heiße Gebräu immer her, indem man einfach das feine Pulver ins heiße, brühende Wasser schüttete und die Mischung anschließend wieder absiebte. Es wurde meist ein alter, muffliger Stoffbeutel benutzt, was auf Dauer auch unhygienisch war und vor allem das Aroma stark beeinträchtigte. Ebenso mühselig in der Handhabung waren die bislang gängigen Keramik- und Metallfilter. Durch die großporigen Filter gelangte immer ein Teil des Kaffeesatzes mit hinein in das fertige Getränk und bei zu kleinen Löchern verstopften diese nur allzu leicht und es floss gar nichts mehr in die Tassen.

Die sächsische Hausfrau experimentierte auf der Suche nach dem perfekten Getränk mit einer Vielzahl an Materialien, bis sie schließlich herausfand, dass sich die Löschblätter aus den Schulheften ihrer beiden Söhne Horst und Willi am allerbesten für diese Zwecke eigneten. Mit einem Hammer und einem spitzen Nagel schlug sie in einen ihrer alten Messingtöpfe lauter kleine Löcher. In diesen präparierten Topf legte sie fortan ihr zugeschnittenes Löschpapier hinein und ließ das Gebräu dort langsam durchtröpfeln. Mit ihrer genialen Idee sorgte Melitta für Aufsehen im Freundeskreis. Bei ihrem Kaffeekränzchen waren alle augenblicklich begeistert von dem völlig satzlosen, klaren und noch besser schmeckenden Getränk. Es war die Geburtsstunde der Melitta Filtertüten – eine bahnbrechende Erfindung, mit der ein neues Kaffeezeitalter eingeläutet wurde!

Im Alter von 35 Jahren meldete sie im Juli 1908 das Patent an. Sie erhielt den Gebrauchsmusterschutz für ihren Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenen Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern und dem dazugehörigem Filtrierpapier. Mit Hilfe ihres Ehemanns Hugo Bentz (1873-1946) gründete sie noch im Dezember des selben Jahres eine eigene Firma. Schon bald wurden die beiden zu tüchtigen Geschäftsleuten. Allein auf der Leipziger Messe 1909 fanden an die 1200 Kaffeefiltertüten Absatz und nur ein Jahr später wurde dem Melitta-Filtrierapparat die goldene Medaille der internationalen Hygieneausstellung und die Silbermedaille des sächsischen Gastwirtvereins verliehen. Der Erfolg war nicht mehr zu stoppen. Die Nachfrage nach den Filtertüten war so groß, dass sie schon bald aus Platzmangel ihre Gebäude erweitern mussten. Immer mehr Mitarbeiter arbeiteten für das Unternehmen und wieder wurden die Produktionsräumlichkeiten zu klein. Sie waren gezwungen mehrmals anzubauen und schließlich sind die Bentz aus Mangel an geeigneten Grundstücken in der sächsischen Landeshauptstadt im Jahr 1929 in das ostwestfälische Minden übersiedelt. Vor allem nach dem ersten Weltkrieg machte das junge Ehepaar einen bombastischen Umsatz, da ihre Produkte zum damaligen Zeitpunkt noch praktisch konkurrenzlos waren. Trotzdem war man stets bemüht an einer Weiterentwicklung. Im Jahr 1937 meldete das Melitta Bentz Unternehmen noch ein weiteres Patent an: die Filter und die Filtertüte von Melitta in ihrer heute noch üblichen Form.

Der zweite Weltkrieg glich einem Tiefschlag in der Geschichte des Unternehmens. Ihre Hauptfabrikanlage wurde zerstört und man war gezwungen praktisch wieder ganz von vorne anzufangen. Es wurde vorübergehend in Kasernen und alten Gebäuden gearbeitet. Aber es dauerte nicht lange und man feierte neue Erfolge. Abermals wurde das Patentamt aufgesucht: 1962 wurde ihnen der Gebrauchsmusterschutz auf die Vakuumverpackung von Kaffee zugesprochen.

Heute ist Melitta eine international bekannte Marke und die renommierte Firma wird von den Enkeln von Melitta Bentz (Stephan, Thomas und Jörg) weitergeführt. Kaum einer von uns kennt sie nicht, die Filtertütenverpackungen mit der leuchtend roten Aufschrift Melitta, den Melitta Röstkaffee sowie das vielfältige Angebot an Zubehör. Das Familienunternehmen Melitta Bentz beschäftigt Tausende von Mitarbeitern, macht einen Umsatz in Millionenhöhe und ist zweifelsohne weltweit die Nummer eins auf dem Kaffeezubehörmarkt. Die Geschichte der Melitta Bentz, eine kleine, schöne Erfolgsgeschichte! Wie die brillante Idee einer sächsischen Hausfrau die Kaffeewelt revolutionierte und wie das neue satzfreie Bohnengetränk ihr Leben und letztendlich auch unser aller Leben beeinflusste!

Eine Reaktion zu “ Die Geschichte der Melitta Bentz ”

  1. Christina

    Parallel dazu entwickelte sich übrigens auch die Sammeltassenkultur. Nun kommt der Filterkaffee wieder Mode und auch die alten Sammeltassen finden neue Liebhaber. Es kommt eben alles wieder.

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